Remy Heliot (UP Teampilot / Frankreich) hat seine Liebe zu Bergsport und Paragliding erfolgreich kombiniert - und seine persönlichen Tipps mit uns geteilt.

1. "Mach den Flug zu einem klimafreundlichen Abenteuer: Wenn du einen Ausflug planst, ohne das Auto zu nehmen, ist das evtl. anstrengender, aber ich wette du genießt den Tag noch mehr. Eine „Bike-Hike-Fly“-Routine ist spannend. Fahre mit dem Zug. Geh zu Fuß, statt die Seilbahn zu nehmen. Oder lauf bergauf, wenn du kannst. Baue die Kraft dafür Schritt für Schritt auf. Die Qualität einer Wanderung misst sich nicht daran, wie viele Höhenmeter du beim ersten Versuch geschafft hast. Wenn du dranbleibst, wirst du schneller fit, als du vielleicht denkst. Wenn du kleine Fortschritte bemerkst, lobe dich dafür - du hast es dir verdient."
2. "Schau dich um: Gleitschirmflieger werden zu Experten darin, den Himmel zu lesen und die Luftströmungen zu spüren. Aber wie sieht es mit dem Boden aus? Nimmst du dir die Zeit, den Vögeln im Wald zu lauschen? Hast du dich schon mal dafür interessiert, welche Arten Blumen und Bäume um dich herum zu finden sind? Hast du das Eichhörnchen gesehen, das deinen Weg gekreuzt hat, oder warst du gedanklich ganz woanders, während du gelaufen bist? Deine Umgebung kennenzulernen hilft dir, im Hier und Jetzt zu bleiben, und das verbindet dich noch stärker mit der Natur."

3. "Bleib beim Groundhandling dran: Das stetige Training hilft dir dabei, von richtig schönen, hoch gelegenen Plätzen zu starten – von denen manche ein gewisses Maß an Können erfordern, das du durch die Beherrschung deines Schirms am flachen Boden erreichst. Das wird sich positiv auf jeden Aspekt deines Fliegens auswirken. Manchmal ist ein Rückwärtsstart nicht möglich oder birgt mehr Gefahren als ein klassischer Start nach vorne. Ich schätze, ich bin nicht der Einzige, der den Vorwärtsstart nach dem Abschluss der Flugschule nicht mehr geübt hat. Lerne wieder, den Schirm hinter dir zu spüren, den Druck auf den Bremsen, die allgemeine Balance des Auftriebs, aber auch, wie du schnell abbrechen kannst, wenn etwas schiefgeht."
4. "Such dir ansprechende Lernquellen: Die beste Quelle, die ich zum Anhören kenne, ist der Cloudbase Mayhem Podcast. Gavin McClurg leistet großartige Arbeit und vermittelt in jeder Folge jede Menge Wissen. Wenn du Französisch sprichst, solltest du dir das „Petit Manuel de Météo Montagne“ ansehen, um dein Verständnis für die Luftverhältnisse zu verbessern. „Understanding the Sky“ von Dennis Pagen ist ebenfalls eine tolle Option, wenn du Englisch bevorzugst, aber ich kann noch nicht mehr dazu sagen, da ich es noch nicht zu Ende gelesen habe. Was die Flugfertigkeiten angeht, gehört „Mastering Paragliding“ von Kelly Farina zu meinen Lieblingsbüchern. Es gibt jede Menge hochwertige Inhalte zum Lesen, Anschauen oder Anhören, und ich bin mir sicher, dass du eine Quelle finden wirst, die dir gefällt."

5. "Wähle die richtige Ausrüstung: Es dauert eine Weile, bis man einem Schirm wirklich entwachsen ist. Zu früh auf einen höher klassifizierten Schirm umzusteigen, hilft dir nicht unbedingt dabei, besser fliegen zu lernen. Schau dir ehrlich dein Können an, wofür du den Schirm hauptsächlich nutzen wirst (in meinem Fall Hike & Fly) und stell dir vor, was du beim Gleitschirmfliegen erreichen möchtest. Dann empfehle ich dir, verschiedene Modelle auszuprobieren, die zu deinen realistischen Zielen passen. Testivals sind dafür ideal. Leichte Ausrüstung bietet mehr Chancen, dass du sie tatsächlich mal an einen anderen Ort mitnimmst als nur zu den überlaufenen und leicht erreichbaren Startplätzen. Die B-Klasse hat genug Leistung für Streckenflüge, wenn mir mal danach ist. Deshalb habe ich mich für den KANGRI X entschieden."
6. "Schätze deinen mentalen Zustand ein: Selbst ein sehr erfahrener Pilot kann einen dummen Fehler machen oder eine Entscheidung treffen, die im Nachhinein irrational erscheint. Man gewöhnt sich vielleicht langsam an miese Flugbedingungen, unter denen man eigentlich gar nicht fliegen sollte, wenn man es sich noch einmal gründlich überlegt. Mein letzter Sturz war zu 100 % meine Schuld, und wenn ich jetzt wieder am Start stünde, würde ich niemals abheben. Aber ich war abgestumpft gegenüber dem grauen Himmel und hatte noch dazu schlechte Laune. Seitdem versuche ich, regelmäßig mentale und körperliche Checks durchzuführen. Wie? Indem ich mich vor jedem Flug in eine Blase in meinem Kopf zurückziehe, in der ich kaum gestört werden kann. Dort gehe ich meine Liste der Vorbereitungen vor dem Start durch und frage mich, ob sich dieser Tag richtig anfühlt, mein Körper fit ist und ich entspannt an den Start gehen kann."

7. "Sei der Ruhigste beim Start: Dieser Ratschlag ergibt sich ganz einfach aus dem Verständnis sowohl deiner Ausrüstung als auch deiner mentalen Verfassung. Lass dich bei der Vorbereitung auf den Start niemals von jemandem hetzen. Konzentriere dich auf deine Routine. Wenn du dich entscheidest, in deinem eigenen Tempo zu starten, kannst du eine innere Ruhe und Präzision in deinen Bewegungen erreichen, die jeden Schritt deines Starts unglaublich reibungslos verlaufen lassen. Ich sage mir ganz klar im Kopf: Ich will den entspanntesten Start aller Zeiten hinlegen.“
8. "Unterhalte dich mit den Einheimischen: Das Ubaye-Tal hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Es gibt eine Menge über diesen Ort zu wissen, bevor man überhaupt an einen hohen, felsigen und wunderschönen alpinen Start dort denkt. Der Talwind ist im Sommer extrem stark und setzt schnell ein. Die zahlreichen Berge und Pässe in der Umgebung sorgen für komplexe aerologische Verhältnisse, die schwer vorherzusagen sein können. Ich habe dieses Beispiel gewählt, weil ich hier gelernt habe, die Sache ernst zu nehmen. Jedes Tal ist anders und kann gleichzeitig eine unglaubliche Flugmöglichkeit und eine potenzielle Gefahr bergen. Die Einheimischen werden dich leicht darauf hinweisen. Ein kurzes Gespräch kann den entscheidenden Unterschied ausmachen, wie gut dein Tag verläuft."

9. "Schließ dich mit anderen zusammen: Rückblickend war einer meiner Anfängerfehler, dass ich mich nicht genug bemüht habe, Leute im Verein kennenzulernen und mit einer Gruppe zu fliegen. Die Corona-Zeit hat damals natürlich auch nicht gerade geholfen. Nimm Kontakt zu deinem örtlichen Verein oder der Flugschule auf und finde Leute mit ähnlichem Erfahrungsstand, mit denen du deine Flüge planen, Wettervorhersagen analysieren, Flugstrecken definieren, neue Spots ausprobieren kannst… Ich bin mir sicher, dass ihr alle dabei schneller Fortschritte machen werdet. Oder schließ dich mit erfahreneren Piloten zusammen. Such dir einen Mentor, indem du Piloten ansprichst, die dich inspirieren, und frag sie aufrichtig, ob sie dir helfen würden. In Gesellschaft zu sein, macht dich auf jeden Fall sicherer und beschleunigt den Lernprozess."
10. "Nimm an freundschaftlichen Wettbewerben teil: Auch wenn du keinen wirklichen Wettkampfehrgeist hast, sind H&F-Wettkämpfe ein Beschleuniger um Fortschritte zu machen. Nutz die Gelegenheit, mit anderen Piloten zu fachsimpeln, Strategien zu besprechen und Tipps für die Aufgabe zu sammeln. Durch die zu erreichenden Checkpoints probierst du Manöver aus, die du normalerweise nicht wagen würdest, und fliegst dadurch höchstwahrscheinlich ein bisschen weiter und länger. Ich rede hier nicht davon, Risiken einzugehen. Es geht eher darum, die Angst zu überwinden, einfach auf einem unbekannten Feld zu landen oder ein Stück laufen zu müssen, wenn du absäufst. Du wirst sehen, das ist keine große Sache. Die Erfahrung zu sammeln, dass du damit klarkommst und es wieder zurückschaffst, ist ein großer Gewinn."
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