UP Teampilot Benno Schmidt hat in Tolmin, Slowenien mit dem TRANGO X (EN/LTF C) teilgenommen obwohl Wettkämpfe eigentlich nicht sein Ding waren. Bisher.
Er berichtet: "Ich muss etwas gestehen. Ich bin eigentlich kein großer Fan von Wettkämpfen. Ich liebe das freie Fliegen, weil es eben frei ist. Meine Linie. Mein Timing. Mein Plan für den Tag. Wettkämpfe ersetzen genau das oft durch Busfahrten, Briefings, Startfenster und festgelegte Aufgaben - selbst dann, wenn die Luft längst nach einem großen XC-Tag riecht. Ich kam also nicht als bekehrter Race-Pilot nach Slowenien. Eher neugierig, aber skeptisch. Dann tat das Soča-Tal, was es eben tut: türkis glitzern, sich zwischen steilen grünen Bergen öffnen und jede Entscheidung plötzlich wichtig wirken lassen. Diese Woche hat etwas für mich verändert.

Die übliche Wettkampfmaschinerie war da: Anmeldung, Pilotinnen und Piloten aus allen Ecken, Karten, Taskboards und das obligatorische Safety Briefing. Aber diesmal nervte mich das alles nicht. Das Wetter passte, die Organisation war stark, und die Fliegerei war genau auf die richtige Art fordernd. Nach den ersten beiden Tasks lag ich auf Platz 38 in Task 1, Platz 38 in Task 2 und Rang 32 overall. Das hat mich mehr überrascht, als es vermutlich sollte. Mit Piloten wie Andreas Malecki oder Thomas Frances, der den Wettbewerb am Ende gewann, kann ich nicht mithalten. Die fliegen PWCs und bewegen sich auf einem Niveau, bei dem ich mir keine Illusionen mache.
Aber ich habe gelernt, dass ich wenn wirklich drücke, schneller bin, als ich mir selbst oft zutraue. Immer wieder flog ich mit denselben starken Piloten zusammen und kam nur wenige Minuten nach ihnen - oder mit ihnen - ins Ziel. Das war ein leiser, aber ziemlich wirksamer Schub fürs Selbstvertrauen. Die wichtigsten Lektionen hatten jedoch wenig mit dem Beschleuniger zu tun. Die größte Erkenntnis war simpel: Die schnellste Linie ist wichtiger als einfach nur Vollgas. Die größten Zeitunterschiede - teils eine halbe Stunde - entstanden nicht durch ein paar Prozent mehr Beschleuniger, sondern durch die bessere Route. An Tag 4 konnte man das im Replay perfekt sehen. Nach dem Start um 13:30 Uhr war die Gruppe, die konsequent die Berglinie nahm, deutlich schneller unterwegs als die Piloten, die tiefer im Tal blieben.

Quelle: XCStats-Replay
Alleine hätte ich vor so einer hohen Linie oft gezögert. Im Wettkampf-Gaggle habe ich gesehen, wie gut sie funktionieren kann. Vielleicht sollte ich mich davon künftig weniger einschüchtern lassen. Die zweite Lektion war noch praktischer: Wenn die Bedingungen stark sind, muss man nicht an jedem Grat wieder einkurbeln. Weiterfliegen. Geradeaus. Weniger Thermiken. Viel weniger. Ich verliere Zeit, wenn ich aus Vorsicht steige, obwohl die Linie eigentlich trägt. Nicht jeder Tag war einfach. Manche Tasks waren richtig knifflig. Task 1 begann stark und schaltete dann plötzlich ab: Schatten, kaum Steigen, und bald stand schon das halbe Feld am Boden. In Task 2 schafften es sogar nur drei Piloten ins Goal. Das waren nicht nur Ergebnisse, sondern Wetterlektionen. Die übrigen Tasks brachten aber genug Druck in die Luft, damit wir racen, Linien ausprobieren und voneinander lernen konnten.
Eine der besten Erkenntnisse betraf meinen Schirm. Ich flog den TRANGO X - einen 2,5-Leiner - fast ausschließlich zwischen Zweileinern und hatte nie das Gefühl, mit einem echten Leistungsnachteil unterwegs zu sein. Die Top-Piloten waren schneller, weil sie bessere Entscheidungen trafen, bessere Linien wählten, selbstbewusster flogen und schlicht mehr Race-Erfahrung hatten. Nicht, weil mein Schirm nicht mithalten konnte. Der TRANGO X hat absurd wenig Gesamtleinenlänge, sogar weniger als manche Zweileiner. In normaler Race-Luft spürte ich kaum einen Unterschied, auch nicht zu Schirmen wie dem TORRE. Nur in wirklich ruppiger Luft surften die Zweileiner ein bisschen effizienter davon.

Würde ich mir die weichere B-Steuerung eines Zweileiners wünschen? Natürlich. Bin ich anfällig für neues Material? Ebenfalls natürlich. Aber für die XC-Fliegerei, die ich meistens alleine oder mit Freunden mache, war diese Woche eine gute Erinnerung: Mein aktueller Schirm bremst mich nicht aus. Mein liebster Race-Moment war übrigens vermutlich auch mein dümmster. Nach dem letzten Wendepunkt eines Tasks merkte ich nicht, dass ich eigentlich nur noch ins Ziel gleiten musste. Ich war komplett im XC-Modus und kurbelte weiter auf Autopilot. Sieben Minuten später schaute ich endlich richtig aufs Instrument und verstand, was los war. Ich flog mit einer Glide-to-Goal-Anzeige von 0,3:1 ins Ziel. Nicht elegant, aber definitiv einprägsam. Trotzdem endete der Tag gut: 43. im Goal und 38. overall von 117 Piloten. Nehme ich.
Neben dem Rennen gab es all das, was ich am Fliegen abseits der Rangliste liebe: eine Wanderung im Regen, Gespräche mit Freunden im Camp Gabrje, Schwimmen in der eiskalten Soča - und natürlich mehr Hike&Fly, als ein normaler Mensch nach einem ganzen Tag im Gurtzeug vermutlich wählen würde. An den meisten Abenden machte ich mit meinem KAILASH noch einen dieser kleinen Hike&Fly-Ausflüge. Genau diese Flüge waren wichtig, weil sie die Woche wieder dorthin zurückholten, wo für mich alles anfängt: nicht bei Punkten, nicht bei Rankings, sondern beim Gefühl, aus eigener Entscheidung in der Luft zu sein.

Tipp: Der Aufstieg vom Camp Gabrje nach Vodel ist richtig schön. Rund 800 Höhenmeter - genug, um die Beine zu spüren, aber nicht so viel, dass der Abend gelaufen ist. Wahrscheinlich hat NAVITER Open genau deshalb für mich funktioniert. Es hat den Freiflug nicht ersetzt, sondern geschärft. Es zeigte mir bessere Linien, bessere Gewohnheiten und eine schnellere Version von mir selbst - ließ aber trotzdem Platz für Freunde, schlechte Witze, Abendwanderungen und die Art von Fliegen, für die kein Task-Komitee nötig ist. Ich bin immer noch nicht sicher, ob ich von Natur aus ein Wettkampfpilot bin. Aber diese Woche in Tolmin war das erste Mal, dass mir Racing wirklich Spaß gemacht hat. Ich habe viel gelernt, bin besser geflogen als erwartet und mit mehr Selbstvertrauen nach Hause gefahren, als ich mitgebracht hatte.
Danke an NAVITER für den Wettbewerb, an alle Piloten, mit denen ich Himmel und Retrieves teilen durfte, und an UP für die Unterstützung dieser Abenteuer. Ob zwischen Zweileinern im Rennen, kratzend im Schatten oder entspannt im Abendlicht über dem Soča-Tal: Es fühlte sich gut an, Material über mir zu haben, dem ich vertraue."