UP Teampilot Markus Henninger hat die 300er-Marke von Cottbus aus geknackt! Wir gratulieren!
Was wir an Markus neben seinem exzellenten Können als Pilot schätzen ist, dass er immer wieder einen detaillierten Bericht zum Flug abliefert. So auch dieses Mal, unterwegs mit seinem MERU 2: "Sitze jetzt im Nachtzug von Ratibor nach Berlin und habe Zeit, den Tag Revue passieren zu lassen. Wo fang ich an?" Na wenn das kein vielversprechender Einstieg ist.
Er fährt fort: "Danke an Marko, Dietmar, Gert und Peggy, ohne euch hätte das heute nicht geklappt. Gestern Abend Dietmar angetickert, dass es heute schon ab 10:00 Uhr geht. Dietmar sagt zu, extra früher zu kommen, damit er mich um 10.00 starten (Cottbus Nord) kann. Bin um 09.30 am Platz, baue in Ruhe auf, die Wolken kommen kurz vor 10.00, wie vom DWD angesagt. Dietmar und Peggy sind wie verabredet da und bauen die Winde auf. Am Start gehen ziemliche Böen aus NW durch. Dietmar schleppt mich. Klinke bei ca. 650m, gleich in den Bart bis knapp 900m, noch unterhalb der Basis. Drehe mit den Wolken mit. Die Thermik ist zerrissen. Es geht immer ein paar Kreise, dann ist es weg. Knapp 30er-Wind. Es ist sportlich. Die Höhe wird weniger. Hinter Cottbus, wenn ich jetzt keinen Bart kriege, muss ich landen, habe noch 200m danach kommt Wald. Kriege nix und lande bei Kahren ein. Das war's dann mit dem Super-Tag... Schade...
Ich rufe Marko an, er müsste noch auf dem Weg nach Cottbus sein, wollte dort gegen 11.00 eintreffen, wir hatten vor meinem Start telefoniert. Ich hatte ihn noch zu den polnischen Lufträumen gebrieft, nämlich dass die TSA heute nicht aktiv sind und man am Riesengebirge entlang 300km heizen kann. Jetzt stehe ich hier ein paar km hinter CB am Boden und es ist noch nicht mal 11:00 Uhr... vielleicht ist der Tag ja doch nicht so gut wie ich dachte... Marko geht ran und sagt gleich zu, einen Schwenker zu fahren und mich einzusammeln, na dann gibt's ja nochmal ne Startchance, 200km müssten dann immer noch drin sein. Marko findet mich nicht am übermittelten Standort. Mein GPS hat gesponnen, was nochmal 9 Minuten Umweg bedeutet. Ich bin entspannt und dankbar, dass ich überhaupt nochmal eine Startchance erhalte. Wohl doch zu viel riskiert mit dem frühen Start.
Tatsächlich habe ich dem Tag viel Potential zugetraut. Ich hatte mir morgens eine Strecke von 310km entlang des Riesengebirges ausgeguckt. Am Ende wurden es 313km. An 400km hatte ich heute nicht geglaubt, da müsste man vom "Altes Lager" aus starten. Tatsächlich habe ich mir die Route schon länger als potenzielle 400er-Strecke bei NW-Wind ausgeguckt. Vielleicht geht das auch von CB aus, muss ich mal nachrechnen. Heute hatte ich 300km im Kopf. Wie man am Ende gesehen hat, wären mit Glück 400km möglich gewesen. Hätte der erste Start geklappt, wären es 1,5h mehr Flugzeit gewesen und hätte ich zum Schluss nicht einen mir unbekannten Luftraum prophylaktisch umflogen, so dass ich meine Konvergenzlinie verlassen musste, wären am Ende vielleicht nochmal 20km drin gewesen, macht zusammen 400km... Also 400km bei NW von AL aus sind möglich, vielleicht auch von CB. Die Linie ist gut.
Ich stand in AL und CB auf gelb. Hab mich für CB entschieden, aus zwei Gründen: bin in 40 Minuten mit der Bahn dort, nach AL hätte ich zu so früher Stunde wohl 2,5h gebraucht, der 1,5h-Zug kommt immer erst nach 10.00 an, das war heute zu spät. Und viel wichtiger: die Prognosen für CB wären bedeutend besser als für AL, mit Wolken schon ab 10.00 und Basis bei 1200 aufwärts, so zumindest die Prognose. Teste momentan verschiedene Wetterberichte und hab mir die Prognosen heute Morgen runtergeladen und stelle die zum Vergleich mal ein. Außerdem sollte man von CB gleich Anschluss an den hervorragenden Streifen auf polnischer Seite bekommen. Deswegen fetten Respekt an die AL-Piloten für ihre heutigen Strecken. Die Bedingungen waren zumindest einiges schlechter für AL als CB angesagt.
Also 2. Start, Gert sitzt schon auf der Winde. Einer meiner heftigsten Schlepps folgt, Gert kann nichts dafür. Erst erwischt mich eine fette Ablösung, kurz darauf klappt der Schirm. Klinken ist keine Option. Ich bleibe drin. Fliege nach dem Klinken gegen den Wind auf die Wolke zu, klappt, ich steige ein. Immer noch relativ schwach, aber diesmal konstant. Drin bleiben lautet die Devise. Es ist wirklich sehr sportlich, habe alle Hände voll zu tun, 30er-Wind und wenig Höhe, viele Waldstücke. Erst nach 1 Stunde kurz vor der polnischen Grenze kann ich auf 1500 aufdrehen. Jetzt bin ich im guten Streifen, es geht ab!
Erstmal vorhalten, um den ED-R 76-Riegel nordöstlich zu umfliegen, klappt gut. Die Wolken stehen ziemlich genau auf der Grenze. Erst vor ein paar Wochen bin ich erstmals von CB aus genau auf der Grenze am ED-R 76-Riegel nach Süden geflogen, aber am Ende des Riegels abgesoffen. Heute klappt es gut. Ich sehe die Landebahn vom Flugplatz Rothenburg. Jetzt heißt es wieder vorhalten nach Süden, um nicht in die EPD31 gedrückt zu werden. Auch das klappt gut. Ich sehe die Talsperre bei Görlitz und halte jetzt unter der EPD31 vor nach Osten und fliege bereits über dem großen Wald nordöstlich von Görlitz in Richtung Osten. Der stramme 29erNNW möchte mich ins Riesengebirge drücken, das möchte ich bei dem Wind unter allen Umständen vermeiden.
Ich muss immer mal wieder die Wolkenstraße nach Osten wechseln, um mich dem Sog des Gebirges entziehen zu können. Es klappt, aber jetzt muss ich wieder nach Süden vorhalten, um dem Luftraum Legnica auszuweichen. Ich komme durch, bleibe nördlich des Gebirges und südlich des Luftraums Legnica, eigentlich die perfekte Linie. Da begegnet mir ein kreisrunder kleiner Luftraum, direkt in Flugrichtung, eine Sprungzone oder Naturschutzgebiet? Ich kann es nicht identifizieren, also ausweichen. Der Schlenker verschafft mir aber gegen 18.15 den Einstieg in eine Konvergenzlinie - so vermute ich es - es geht ganz ruhig bei inzwischen 34er-Schiebewind auf deutlich über 2000m rauf. Und eine Wolkenstraße entlang der Berge schließt sich an. Der NNW prallt auf die Hänge und von dort gibt es Umkehrthermik? Wie auch immer, es geht hoch und weiter. Genau in Fluglinie Tschechien kommt jetzt schon wieder solch ein Luftraum, den ich bei meiner Flugvorbereitung nicht gecheckt hatte. Ich will jetzt nichts riskieren, auch wenn die Wolkenstraße möglicherweise noch 10-20 km hergegeben hätte. Ich gleite schräg zum Wind aus und lande im polnischen Niemandsland an einem Dorfrand. Am Horizont eine größere Stadt - Ratibor wie sich später herausstellt.
Laufe mit meinem Gerödel über eine Sandstraße, als eine Gravel-Bikerin - Magda - vorbeikommt. Sie bietet mir ihre Hilfe an, macht erst ihre Gravel-Runde zu Ende und fährt mich anschließend 40km zum Bahnhof Ratibor, wo ich den Nachtzug um 22.00 Uhr erreiche und dann gegen 01.00 Uhr auf Andi treffen werde, der in Wroclaw zusteigt. Ein Wahnsinns-Tag mit großartigen Aussichten aufs Riesengebirge, aber auch die weite waldlose Ebene zwischen Görlitz und Legnica. Was für eine großartige Landschaft!"
Wir sind ebenfalls begeistert - weiter so, Markus! "Fly & Bahn", da bist du ganz vorn dabei in der Disziplin!